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Die Geschichte des Sanatoriums der jüdischen Familie Lasker an der Wonnhalde

Im Jahr 1891 wurde das Sanatorium „Bad Rebhaus“ von der jüdischen Familie Lasker gegründet. Der Kurbetrieb war so erfolgreich, dass die Laskervilla (in diesem Haus ist heute das städtische Obdachlosenwohnheim Wonnhalde 1 untergebracht) um ein Badehaus erweitert wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden das repräsentative Kurhaus (auch Oberhaus genannt. Auf der Fläche steht heute das Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen, vom Freiburger Caritasverband getragen) und die große Glashalle (auf dem heutigen Gelände der forstwissenschaftlichen Versuchsanstalt) gebaut. Die im Stil der Pariser Weltausstellungsarchitektur errichtete Glashalle wurde bald zu einem weithin bekannten Restaurant und zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Freiburgs. Der die Glashalle umgebende „Wirtschaftsgarten“ hatte den Charakter einer exotischen Gartenanlage, was sehr zur Attraktivität des Rebhauses beitrug. Nach dem Tod des Gründers Max Daniel Lasker übernahmen seine Söhne Albert und Daniel Max Lasker die Leitung des Rebhauses. Während des 1.Weltkrieges wurde das Rebhaus als Lazarett genutzt. Danach wurde der Sanatoriumsbetrieb wieder aufgenommen. Das Rebhaus war bei seinen Gästen sehr beliebt, neben vielen anderen bekannten Persönlichkeiten war auch Else Lasker-Schüler, eine bedeutende deutschsprachige Schriftstellerin hier oft zu Besuch. 1929 mussten die beiden Schwägerinnen Luise und Klara Lasker, die nach dem Tod der beiden Brüder, das Rebhaus übernommen hatten, Konkurs anmelden. Erst 1931 konnte das Sanatorium in verkleinerter Form wieder eröffnet werden. Das Oberhaus wurde aus der Kuranlage ausgegliedert und an eine Haushaltschule für höhere Töchter vermietet. Die Familie Lasker verließ 1933, nachdem sie von den Nazis bedroht wurden, Hals über Kopf Freiburg. Sie flohen über die Schweiz nach Italien und erreichten 1935 Palästina. Der von ihnen eingesetzte Verwalter Heinrich Lenze versuchte den Betrieb aufrecht zu halten. 1934 musste er wegen schlechter Belegung aufgeben - jüdische Gäste blieben aus, ausländische Besucher mieden Deutschland und deutsche Gäste wagten kaum noch einen jüdischen Kurbetrieb zu besuchen. Gleichzeitig wies das städtische Fremdenverkehrsbüro dem Rebhaus keine Gäste mehr zu. Ein noch 1932 aufstrebendes Unternehmen wurde in die Zwangsversteigerung getrieben und zerschlagen. Klara und Luise Lasker und ihre drei Töchter kehrten nicht mehr nach Deutschland zurück. Eine Entschädigung wurde 1949 abgelehnt. Ein neues Verfahren brachte den Erbinnen später eine dürftige Entschädigung ein, sie bekamen 200 DM, womit “alle weiteren Ansprüche abgegolten“ waren. Es kam danach zu unterschiedlichen Verwendungen der einzelnen Gebäude, u.a. zur Nutzung als Krankenhaus, für den Schulbetrieb, für Verwaltungseinrichtungen und als Notquartiere.

Literatur: Andreas Meckel: Das Rebhaus in der Wonnhalde. Ein Ort mit glanzvoller Vergangenheit. In: Freiburger Almanach 2007

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Chronologie der Ausseinandersetzungen um das Miethaus Wonnhalde 1a

Eine komprimierte Zusammenstellung der Geschichte finden Sie im PDF-Dokument: Zum Beispiel Wonnhalde 1a. Vom Zynismus kommunaler Wohnungspolitik. Das vierseitige Flugblatt wurde in einer Druckauflage von 5000 Exemplaren um den 1. Mai 2009 in Freiburg verteilt.Vom Zynismus kommunaler Wohnungspolitik

1950Bau des Hauses Wonnhalde 1a. Die folgenden Jahrzehnte wird es als als Schwesterwohnheim eines Krankenhauses für Dialysepatienten genutzt

Seit 1982 Vermietung der beiden Häuser Wonnhalde 1 und 1a durch die Erbengemeinschaft Allgeier. Das Haus 1a wird frei überwiegend an Wohngemeinschaften vermietet. Das Haus 1 wird an die Staatliche Liegenschaftsverwaltung vermietet, die darin Zivildienstleistende unterbringt

Sommer 1987 Immobilienmakler Gernot Lüwa übernimmt die Verwaltung der Häuser und kündigt deren Verkauf an. Die Erbengemeinschaft bietet den Kauf zunächst dem Land (staatliche Liegenschaftsveraltung) an, das jedoch mit Verweis auf den Preis ablehnt. Auch das sich auf Büroraumsuche befindliche Ökoinstitut lehnt den Kauf ab. In einer öffentlichen Begründung verweist man auf die Tendenz der Ersetzung von Wohn- durch Büroraum, die nicht mitgetragen werden solle. Auch die Stadt Freiburg ist als mögliche Käuferin im Gespräch. Die offiziellen Erwägungen laufen auf eine Nutzung eines der Gebäude als Unterkunft für AsylbewerberInnen und UmsiedlerInnen hinaus. Nachdem auch die Stadt ihr Kaufinteresse zurückzieht (siehe Brief von OB Böhme vom 26.2.1988) - die Zahlen der Asylbewerber sind zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Veränderungen des Asylrechtes von 1986 rückläufig, die bestehenden Wohnheime stehen zur Hälfte leer - sucht Lüwa nach möglichen PrivatkäuferInnen

Auschreibung Verkauf Wonnhalde Imo Luewa 1987.pdf

22.06.1987 Gründung des Vereins für selbstbestimmte Lebensformen in der Wonnhalde

Juli/August 1987 Lüwa erhöht den Druck auf die BewohnerInnen des Hauses 1a. Bisher geltende mündliche Vereinbarungen sollen nicht mehr gelten. Die Nutzung des Hofes und des Kellers wird untersagt oder eingeschränkt, eine Sauberhaltung des Geländes angemahnt, da - so die offizielle Begründung in einem Schreiben vom 23.7.1987 - "wir uns in Verkaufsverhandlungen befinden und die äußere Situation des gesamten Anwesens im derzeitigen Zustand verkaufs- bzw. preismindernd wirkt."

September 1987 Die MieterInnengemeinschaft Wonnhalde 1a geht mit einem offenen Brief sowie mehreren Flugblättern an die Öffentlichkeit. Sie geht davon aus, dass nach einem erfolgten Verkauf der Häuser an Privatinvestoren im Falle der Wonnhalde 1a bezahlbarer Mietwohnraum verloren geht. Selbst wenn den MieterInnen nicht gekündigt werden würde (das ist die mehrfach öffentlich abgegebene Erklärung Lüwas!!), würde sie eine 30% Mieterhöhung treffen, da nur so die Gewinnerwartungen eines möglichen Käufers angesichts des gehandelten Preises erfüllt werden könnten. Im Ergebnis würden die MieterInnen "freiwillig" ausziehen müssen, so wie es in vielen vergleichbaren Fällen Gang und Gäbe sei. Im Falle Wonnhalde 1a würde Wohnraum überhaupt zugunsten von Büroraum verloren gehen. Der Hausverein stellte daher die Forderung an die Stadt Freiburg, ihrer immer wieder selbst proklamierten Verpflichtung auf eine mieterInnenfreundliche Wohnraumpolitik und der Begrenzung von Wohnraumspekulation nachzukommen. So hat sich beispielsweise die Stadtverwaltung im "Bericht zum Wohnungsbau und zur Wohnversorgung" von 1984 zu " "Maßnahmen zur sozialen Verteilung preiswerten Wohnraums" bekannt. Eine der hier erwähnten Maßnahmen ist der eingreifende Hauskauf durch die Stadt selbst. Der Hausverein fordert deshalb die Stadt konkret dazu auf, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, und die Häuser zu erwerben, um die bisherige MieterInnenzusammensetzung und das Mietpreisniveau zu erhalten.
Flugblatt September/1987 zum Download (pdf 519,4 kB)
Flugblatt Oktober/1987 zum Download (pdf 2,2 MB)

12.09.1987 BZ Artikel "Eigentümerwechsel in der Wonnhalde?" BZ-Artikel zum Download (pdf 1,0 MB)

22.09.1987 Brief der Gemeinderatsfraktion der SPD unter Fraktionsvorsitz von Thomas Landsberg an Oberbürgermeister Böhme, in dem die Forderungen des Hausvereins unterstützt werden. Brief der SPD zum Download (pdf 396,2 kB)

29.09.1987 Offener Brief der Gemeinderatsfraktion der Grünen an Oberbürgermeister Böhme, in dem die Forderungen des Hausvereins unterstützt werden. Brief der Grünen zum Download (pdf 2,88 MB)

26.02.1988 Erklärung des Oberbürgermeisters Böhme zu den Häusern auf erneute Anfrage der Grünen hin Erklärung von OB Böhme zum Download (pdf 972,2 kB)

1988 Häuserkauf durch die Stadt Freiburg Die Situation um die Häuser Wonnhalde 1a und 1 entwickelt sich nach weiterer Pressearbeit und zunehmender öffentlicher Unterstützung immer mehr zum Politikum. Hintergrund ist auch die rasante Entwicklung der Freiburger Mietersolidarität - ein Netzwerk von zeitweise bis zu 50 Mietparteien, welches die vereinzelten mietpolitischen Ausseinandersetzungen zu einer gemeinsamen Kraft zusammenführen möchte sowie die ohnehin politisierte Wohnraumfrage im Kontext der Freiburger Hausbesetzungen. Es kommt nun zum Kauf der Gebäude durch die Stadt Freiburg. Das Liegenschaftsamt übernimmt die Verwaltung und die Mietverhältnisse im Haus 1a. Im Haus 1 wird - nach regulärer Beendigung des ohnehin nur bis 1990 befristeten Mietverhältnisses mit dem Land BAW - vom Sozial- und Jugendamt ein Männerwohnheim für Obdachlose betrieben

1990 Der Verein tritt an die Stadt Freiburg mit dem Interesse heran, das Haus 1a zu erwerben um es der Selbstverwaltung durch die MieterInnen überlassen zu können. Die Stadt lehnt Kaufverhandlungen ab. Im Falle einer späteren Verkaufsabsicht würde jedoch der Hausverein bevorzugt angesprochen, so wird versichert.

1990 bis 2003 Die Wohnsituation entwickelt sich zufriedenstellend. Es existieren größere und kleinere Wohngemeinschaften, Eltern mit Kindern wohnen dort ebenso wie StudentInnen, Berufstätige, Arbeitslose oder SchülerInnen. Bis zu 23 Leute finden ihren Platz. Das Verhältnis zwischen dem Liegenschaftsamt und den BewohnerInnen pendelt sich auf einem halbwegs kollegialen Niveau ein. Obgleich die Zimmer von zweien der drei großen Etagenwohnungen einzeln vermietet werden, werden die Wohnungen als Wohngemeinschaften begriffen. Die im Rahmen der normalen Fluktuation frei werdenden Zimmer werden nach den Vorstellungen der restlichen BewohnerInnen belegt. In der Regel haben alle NachmieterInnen einen Wohnberechtigungsschein.

2003 Dennoch bleibt der Wunsch lebendig, das Haus in Selbstverwaltung zu betreiben und auch nach eigenen Vorstellungen umbauen zu können. Viele der MieterInnen leben nun schon seit 15 oder 20 Jahren in dem Haus und schätzen die gewachsene kollegiale wie solidarische Sozialstruktur der Hausgemeinschaft, die zugleich den Einzelnen genug Entfaltungsmöglichkeiten lässt. Viele hegen den Wunsch, der Dunkelheit und Feuchtigkeit des an extremer Hanglage gelegenen Hauses auch baulich zu begegnen. Nachdem gleichzeitig die Instandhaltungspraxis der Stadt Freiburg angesichts der leeren Kassen spürbar defizitär wird - die gesamte Heizungsanlage, viele Fenster sind komplett renovierungsbedürftig, der gesamte Dachstuhl ist unisoliert - wird der Hausverein wiederbelebt. Es finden mehrere Haustreffen statt und es wird eine Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser-Syndikat beschlossen.

16.07.2004 Brief an das Liegenschaftsamt, in dem die Hausgemeinschaft ihr Interesse an einem Häuserkauf anmeldet.

05.08.2004 Das Liegenschaftsamt bestätigt, dass es sich einen Verkauf an die Hausgemeinschaft grundsätzlich vorstellen kann und bittet um Geduld, da die Erstellung der für eine Wertermittlung erforderlichen Unterlagen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Ab November 2004 Mehrere telefonische Nachfragen verlaufen ergebnislos. Man könne noch nichts sagen, weil bislang die Zeit gefehlt habe. In der Zwischenzeit gekündigte Zimmer werden trotz Bitte der HausbewohnerInnen nicht wie üblich an vorgeschlagene InteressentInnen weiter vermietet, sondern "mit Rücksicht auf die Kaufverhandlungen" zurückgestellt. Auch eine vorgeschlagene Zwischenvermietung wird abgelehnt. In den beiden großen WG's werden einzelne Zimmer abgeschlossen.

Juni 2005 Auf nochmaliges telefonisches Nachfragen hin, wird die Hausgemeinschaft aufgefordert ein konkretes Angebot zu unterbreiten. Auf den Einwand, man habe nun ja fast ein Jahr darauf gewartet, dass die Stadt die angekündigte Wertermittlung vornimmt und die Hausgemeinschaft sich wie angeraten in Geduld geübt habe, heißt es nun, die Stadt mache grundsätzlich kein Verkaufspreisangebot.

01.07.2005 Konkretes Kaufangebot der Hausgemeinschaft Die Hausgemeinschaft bietet in einem ersten Angebot 550 000€ und bittet um konkrete Verhandlungstermine. Das Angebot beruht auf dem ermittelten Bodenrichtwert von 300 €/m² sowie dem erheblichen Renovations - und Investitionsaufwand, der von Fachleuten gegenüber der Hausgemeinschaft bestätigt wird.

25.07.2005 Erinnerungsbrief Nachdem weder der Eingang des Kaufinteresses bestätigt noch darauf reagiert wird, bittet die Hausgemeinschaft wiederum um Informationen über das weitere Vorgehen.

19.08.2005 Stadt stellt Kaufüberlegung zurück Die Stadt gibt dem Verein bekannt, dass zur Zeit überprüft werde, ob in dem Haus Wonnhalde 1a eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden könne. Im Brief wird betont, dass dieses Haus "1988 zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen" erworben worden sein soll. Bis auf weiteres würden deshalb Verkaufsüberlegungen sistiert. Im gleichen Brief wird dennoch mitgeteilt, "dass der von uns ermittelte Ertragswert [...] im derzeitigen Zustand mindestens 200 000 € über dem von Ihnen angebotenen Kaufpreis von 550 000 € liegt".

21.11.2005 Anfrage der Fraktion Unabhängige Listen an OB Salomon Im Auftrag der Hausgemeinschaft startet Hendrijk Guzzoni für die Fraktion Unabhängige Listen im Gemeinderat eine Anfrage an OB Salomon bezüglich der Pläne der Stadt Freiburg im Falle Wonnhalde 1a.

09.12.2005 Antwort von OB Salomon Oberbürgermeister Salomon referiert hierin im wesentlichen die Position des Liegenschaftsamts aus dem Brief vom 19.08.2005. Er bestätigt, dass sich die Stadt auf der "schwierigen Suche" nach einem Ersatzstandort für die Flüchtlingsunterkunft "Innere Elben" befände. Auch wird wiederum behauptet, das Gelände mit den beiden Häusern 1 und 1a sei 1988 zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen erworben worden. Ferner wird im Brief seitens der Stadt der ermittelte Ertragswert von 740 000€ genannt.
Erklärung von OB Salomon (pdf 57,9) (pdf 96 kB)

11.01.2006 Offener Brief des Hausvereins an das Liegenschaftsamt und die Gemeinderatsfraktionen
Offener Brief des Hausvereins zum Download (pdf 113,6 kB)
Offener Brief des Hausvereins - "Original" (pdf 415,7 kB)

10.04.2006 Um Bewegung in die verfahrene Situation zu bringen, erhöhen wir unser Kaufangebot noch einmal.
Brief an OB Salomon (pdf 288,7 kB)

29.05.2006 Mit einem Offenen Brief reagieren wir auf den geplanten Totalverkauf des städtischen Wohneigentums und setzen diese Überlegungen in Zusammenhang mit der Situation um die Wonnhalde 1a.
Offener Brief (29.05.2006)(pdf 32,4 kB)

13.07.2006 In einem Schreiben erklärt OB Salomon wieso sich angeblich vorhandene Flüchtlingsinteressen nicht mit MieterInneninteressen vereinbaren lassen. Auf das Angebot eines Ersatzwohnraumes, der in keiner Hinsicht mit der Wonnhalde vergleichbar ist, gehen wir selbstverständlich nicht ein.
Brief von OB Salomon (pdf 40,2 kB)

16.10.2006 Wir erwidern auf die vorgebrachten Argumente und verleihen erneut unserem Kaufinteresse Ausdruck.
Schreiben des Hausvereins vom 16.10.2006 (pdf 28,3 kB )

22.12.2006 Der Erste Bürgermeister Neideck antwortet im Auftrag von OB Salomon, beruft sich auf den Bürgerentscheid und wird im Ton allmählich ein wenig genervt...
Brief von Neideck (pdf 25,7 kB)

10.01.2007 Unsere Antwort erfolgt in einem offenen Brief, der die vorgebrachten Argumente entkräftet.
Offener Brief vom 10.01.07 (pdf 20,0 kB)

31.01.2007 Die Badische Zeitung berichtet in einem ausführlichen Artikel über die Wonnhalde. zum Text des Artikels

01.02.2007 Die Stadt kündigt jenen drei MieterInnen, die in den ausgedünnten zwei Wohnungen Einzelmietverträge für insgesamt vier Zimmer plus Küche, Bad, WC und Flur besitzen. Die Betroffenen legen Widerspruch ein.

5.04.2007 Stadt schießt Eigentor. Die Stadt verzichtet nach Ablauf der Kündigungsfrist auf Räumungsklagen, weil die Begründung der Kündigung, der dringende Bedarf für die Unterbringung der Roma aus den Hagelstauden, vor Gericht zurückgewiesen worden wäre. Der Hausverein Wonnhalde 1a hatte mittlerweile zu viele Hinweise publiziert, daß der „Bedarf“ vorgeschoben ist. Die Pressesprecherin der Stadt Freiburg räumt am 5.4.2007 der BZ ein, daß die Roma eigentlich bis 2013 in den Hagelstauden bleiben könnten. Weil jedoch die Vermarktung des ausgewiesenen Baugebiets stockte, sähe die Stadt eine Verlegung der Roma „lieber heute als morgen“. Bekannt wird auch, daß sowohl die Roma selbst, aber auch ihre städtischen und eh-renamtlichen SozialbetreuerInnen eine heimartige Unterbringung am Stadtrand ohne Infrastruktur gera-de für Familien mit Kindern ablehnen. Nachdem die Roma-Familien also nicht mehr als dringend in die Wonnhalde 1a einzuweisende Bedarfsgruppe vorgeschoben werden können, sucht die Stadtverwaltung nach Alternativen. Nun sollen alleinstehende Flüchtlinge in die Wohngemeinschaften eingewiesen wer-den. Doch auch dieses Ansinnen stößt bei den für die Betreuung von Flüchtlingen zuständigen Sozial-arbeiterInnen auf Unverständnis.

aus dem Artikel der BZ: Sowohl der Migrantenbeirat der Stadt als auch die SPD-Fraktion wehren sich gegen die Pläne der Stadtverwaltung, die Flüchtlinge in einem Haus an der Wonnhalde zwischen Wiehre und Günterstal unterzubringen. Dort leben zurzeit noch elf Mieter, die das alte Haus gerne kaufen möchten, nun aber für die Flüchtlinge ausziehen sollen (die BZ berichtete). Auch der Stadtverwaltung wäre es lieber, die Flüchtlinge dezentral in einzelnen Wohnungen unterzubringen. Das aber sei nicht so einfach, sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Schließlich sollen die Flüchtlinge die Inneren Elben so schnell wie möglich verlassen. "Je leerer ein Grundstück ist, umso besser lässt es sich vermarkten" , sagt Lamersdorf. Diese Eile und die von der Stadtverwaltung dargestellte Alternativlosigkeit können die Kritiker nicht nachvollziehen.

April/Mai 2007 Diverse Solidaritätserklärungen werden veröffentlicht

Presserklärung von der SPD-Fraktion und den Jusos

Solidaritätserklärungen: Grether Rundbrief zum Download (pdf 290 kB).
Presseerklärung des Migrationbeirates (pdf 9,1 kB)

2.Mai.2007 Ungeachtet dessen weist die Stadt direkt nach Ablauf der Kündigungsfrist eine mehrköpfige Roma-Familie aus dem Heim Wiesentalstraße in eine seit längerem leerstehende geschlossene Zwei-Zimmerwohnung im Haus ein. Bei der Einweisung fallen markige Worte: „Das geht jetzt ganz schnell, dass die anderen hier endlich ausziehen“. Die Einweisung erfolgt ohne Rücksichtnahme auf die Lebensverhältnisse der Familie, deren drei Kinder allesamt in Weingarten zur Schule gehen. Bedauerli-cherweise kommen aus Sicht der Stadt die Familie und die Hausgemeinschaft in guten Kontakt zuein-ander. Dennoch ist allen, vor allem der Familie schnell klar, wie ungeeignet das neue Wohnumfeld für die Kinder ist. In der Nachbarschaft gibt es weit und breit keine anderen Kinder sowie eine Infrastruktur, die der vielbeschworenen Integration zuträglich wäre.

13.05.2007 Mit der Gemeinderatsvorlage zur Zukunft der Wohnungshilfe im Rahmen der geplanten Schaffung eines neuen Amtes für Wohnraumversorgung wird offiziell bekannt, was wir schon länger vermuteten: Die Stadt plant seit mindestens zwei Jahren, die in ihrer „Substanz stark veralteten Gebäude“ Wonnhalde 1 und 1a abzureißen, um das „in gut vermarktbarer Lage“ befindliche Gelände auf dem freien Markt zu veräußern. Das im Nachbarhaus Wonnhalde 1 betriebene Männerwohnheim soll mit zwei weiteren kleineren Obdachlosenheimen in einem Neubau in Haslach zusammenlegt werden. Der Gemeinderat stimmt der Vorlage zu. Vermehrt besichtigen Investoren das Gelände.

Januar.2008 Das neue Amt für Wohnraumversorgung nimmt offiziell seine Arbeit auf. Deren Leiter, Herr Hein, verspricht, bei der Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen neue Wege gehen zu wollen. Hierzu gehört die Wendung von der ghettoähnlichen Heimunterbringung hin zu dezentralisierten und integrativeren Unterbringung in einzelne Wohnungen in belebten Quartieren.

Juni.2008 Im Gespräch bestätigt uns Herr Hein, dass die Stadtverwaltung ihn beauftragt habe, – ungeachtet der Abrisspläne sowie der allseits beschworenen neuen Philosophie einer dezentralisierten Unterbringung – sogenannte „Bedarfsgruppen“ im Haus Wonnhalde 1a unterzubringen.

Juli.2008 Die Pläne, beide Häuser auf dem Gelände abzureißen und das Gelände auf dem freien Markt zu veräußern, werden offiziell zurückgestellt. Ausschlaggebend waren die Widerstände gegen den geplanten Neubau eines größeren Obdachlosenheims in Haslach, in das auch das Obdachlosenheim Wonnhalde 1 integriert hätte werden sollen.

November 2008 Die Stadtverwaltung hat eine neue „Bedarfsgruppe“ für die Wonnhalde 1a gefunden: In der Drucksache G-08/221 wird angekündigt, daß zum einen sieben obdachlose Männer aus dem Wohnheim Elsässerstrasse 7 in das Haus Wonnhalde 1a „umgesetzt“ werden sollen. Zum anderen soll nach erfolgter „Auflösung“ (sprich Kündigung) aller bestehenden Mietverhältnisse das gesamte Haus als Obdachlosenheim fungieren. Augrund zu vieler innerer Ungereimtheiten weist der Gemeinderat auf Druck der Haus-gemeinschaft die Vorlage zur Überarbeitung an das Amt für Wohnraumversorgung zurück. Zum einen gab es in der Elsässertrasse nur noch zwei Obdachlose, zum andern musste eingeräumt werden, dass unser Nachbarhaus, das Männerwohnheim Wonnhalde 1 mit seinen Einzelzimmern halb leer steht und auch stadtweit Überkapazitäten in den Wohnheimen bestehen.

29.11.2008
BZ Interview mit uns

April 2009 Die Stadt teilt uns in einem „Gespräch“ mit, dass sie den MieterInnen der Wohngemeinschaften kündigen wird. Das Gespräch wird auffallend autoritär geführt, die Zeichen stehen auf Eskalation.

Den weiteren Verlauf der Geschichte seit April 2009 finden Sie unter Aktuelles